Das erwartet Sie in der Praxis!
In dieser Rubrik können Sie einem erfahrenen Therapeuten über die Schulter schauen.
Carola Krokowski hat für uns ihr Behandlungstagebuch geöffnet und schildert jeden Monat einen Fall aus der Praxis:
![]() | Verletzungsbedingte Blockade vom chong mai |
Fall 03/2009 - Pferd, 10 Jahre, Warmblut, Wallach
Chinesische Erstuntersuchung und Behandlung: März
Vorbericht:
Haltung, Nutzung:
- Der Wallach wird als Freizeitpferd genutzt und 4 bis 6 Mal pro Woche geritten
- 3 ½ Wochen vor der Akupunkturbehandlung wurde der Wallach von einem anderen Pferd an
den Kopf rechts getreten
- Die tierärztliche Untersuchung brachte kein eindeutiges Ergebnis, es wurde ein
abschwellendes Mittel gespritzt
Vom Besitzer beobachtete Auffälligkeiten:
- Das Pferd zeigte deutliche Schmerzzeichen noch nach 2 Wochen nach der Verletzung und
konnte nicht geritten werden
- Von einem Pferdeosteopathen wurde eine Ausrenkung des Unterkiefers behandelt, danach
trat eine leichte Besserung ein, jedoch konnte das Pferd nicht aufgetrenst werden
- Nach dem Weidegang war das Pferd jedes Mal deutlich noch berührungsempfindlicher am Kopf.
- Von einem Pferdedentisten wurde keine Erkrankung festgestellt, das Pferd musste für
die Untersuchung stark sediert werden.
- Der Wallach scheuert sich mittig zwischen den Ganaschen
Schulmedizinische Diagnose und Therapie: Vom Tierarzt wurde keine Diagnose gestellt.
Ergebnisse der chinesischen Untersuchung:
- Ernährungszustand : gut
- Allgemeinbefinden : leicht beeinträchtigt
- Pflegezustand : sehr gut
Symptome:
- Zwischen Knie und Hüfthöcker war das Fell bds. kürzer – abgebissen.
- Berührungsempfindlichkeit am Kopf
- besonders ausgeprägt ist die Berührungsempfindlichkeit um das Maul
- Reaktion bei Gb20
Zunge: nicht untersucht
Pulse: replet (voll), celer (schnell)
RAC: Di4, PC6, MP4, MP6, Ma30 sehr deutlich
Zustimmungspunkte: keine eindeutige Reaktion
Extremitätentemperatur: normal
Muskulatur: unauffällig
Chinesische Diagnose: Verletzungsbedingte Blockade vom chong mai
Begründung der chinesischen Diagnose:
Zunächst ist es hilfreich, sich zu überlegen, welche Leitbahnen den Kopf erreichen: dies sind die Magen-Leitbahn, die Dünndarm-Leitbahn, die Dickdarm-Leitbahn, tiefe Äste der Herz-Leitbahn, tiefe Äste der 3E-Leitbahn, tiefe Äste der MP-Leitbahn und Leber-Leitbahn, tiefe Äste der Blasen-Leitbahn, Nieren-Leitbahn und Gallenblasen- Leitbahn sowie der yang qiao mai, yin qiao mai, chong mai, das Konzeptionsgefäß und das Lenkergefäß. Das Maul umlaufen besonders die Magen-Leitbahn, ein tiefer Ast der Leber- Leitbahn, der chong mai, das Konzeptionsgefäß und das Lenkergefäß. Die Reaktionen bei Ma30, PC6 und MP4, auch bei MP6, sprechen für eine Störung im chong mai.
Der chong mai versorgt die Lippen und den Unterkiefer besonders auch mit wei qi und jing.
Da die Versorgung mit wei qi gestört war, konnte Wind besser eindringen und daher die erhöhte Berührungsempfindlichkeit nach dem Weidegang.
Typisch: Zwischen Knie und Hüfthöcker war das Fell bds. kürzer – abgebissen. – Das Pferd hat versucht, Ma30 zu stimulieren.
Chinesische Therapie:
Akupunktur: Es erfolgten 2 Akupunkturbehandlungen im Abstand von 4 Tagen.
- PC6 und MP4 bds
- Di4
- Ma30 bds
- Ma3 und Ma4 bds. als lokale Punkte
Empfehlungen für den Besitzer:
Punkte für die Akupressur: PC6, MP4, Di4 bds. zweimal täglich mit mittlerem Druck über zwei Wochen.
Weiterer Verlauf nach chinesischer Therapie:
Nach der ersten Behandlung zeigte sich eine deutliche Besserung, das Pferd konnte ohne Schmerzzeichen wieder am Kopf berührt werden. Nach der 2. Akupunktur bestanden keine Störungen mehr.
